Es ist so laut, seit die Stille tot ist. Zwischen den Zeilen wandern ungreifbare Gedanken hin und her. Ich versuche ein paar Kommas zu verschieben, die hässlichen Wörter gegen schönere auszutauschen. Aber ich bin zu müde. Ich kann nicht mehr. Ich reiße Männer auf. Und Kondomverpackungen. Ich reiße und reiße, und alles zerbricht. Vielleicht sollte ich davonrennen und mich in einem nachtschwarzen Wald vor mir selbst verstecken. Dort könnte ich tagelang keinen Sex mehr haben. Ich würde vergessen, wie Angst schmeckt. Ich würde aufhören, den kleinsten gemeinsamen Nenner von mir und mir und mir zu suchen. Es würde anfangen zu regnen. Und ich würde dort an einem wunderschönen verlassenen See sitzen, und der Regen würde leise flüsternd die Schande von meinem Körper tragen. © copyright 2017 by Lilly Lindner Was fehlt, wenn ich verschwunden bin / Splitterfasernackt